29.11.2002 9. Internationales Symposium: „Vedische Astrologie“
in Calicut, Kerala, Südindien, 24.-28. November 2002


Nach einer etwas aufwendigen Reise landeten wir, Maria Luise und Klaus Mathis, sowie andere internationale Teilnehmer am 23.11.2002 in Calicut, wo wir vom Vorsitzenden des Veranstalters ACVA (American College of Vedic Astrology) Denis M. Harness herzlich begrüßt wurden. Nach einer halbstündigen Autobusfahrt trafen wir dann im Kongresshotel „Kadavu Resort“ ein und wurden mit der erfrischenden Milch aus der Koksnuss willkommen geheißen.

[James Kelleher und Dr. David Frawley]

Die feierliche Eröffnung des Kongresses am nächsten Morgen fand unter dem Beisein des Königs von Calicut statt, der mit seinem Gefolge aus Musikern, einem geschmückten Elefanten, sowie einem flankierenden Mädchenspalier, in die Hotelanlage einzog. Nach einigen Begrüßungsansprachen erfolgte die eigentliche Eröffnung durch Rajeswari Raman, der Tochter des großen indischen, verstorbenen Meisters der Vedischen Astrologie, Dr. B.V. Raman, durch das feierliche Entzünden eines Öllichtes, das das Licht der Erkenntnis symbolisiert. Da die Sanskritbezeichnung für vedische Astrologie „Jyotish“ heißt, das soviel bedeutet, wie das „Wissen vom Licht“ macht diese Zeremonie deutlich.

Am späten Nachmittag begannen Hindupriester mit der Vorbereitung eines „Navagraha Pujas“, einem Verehrungsritual der neun (= Nava) Planeten (=Graha), indem sie ein Planetenyantra (bildhafte geometrische Darstellung) aus farbigem Sand am Boden aufbrachten. Nach dem gemeinsamen Eröffnungslunch fand unter freiem Himmel am späten Abend die Zeremonie statt, während Mond und Jupiter, für uns alle sichtbar, am Himmel aufstiegen. Durch das Zelebrieren von Mantren, Anrufungen, Darbringungen von Opfergaben unter Einbeziehung eines Feuers wurde den Planeten gehuldigt und um ein Gelingen des Kongresses gebeten.

[Eröffnungszeremonie mit Rajeswari Raman]

Dann fiel es uns schwer, zwischen den verschiedenen Parallelveranstaltungen zu wählen, weil grundsätzlich alle interessant gewesen wären, aber folgende Auswahl haben wir getroffen:
Die in London lebende Inderin, Komilla Sutton, bekannt durch ihr Buch: „Vedische Astrologie“ und Vorsitzende der BAVA (British Association for Vedic Astrology) führte in die Essenz der vedischen Astrologie ein. Wir hatten Komilla bereits in Deutschland kennen gelernt und freuten uns sehr, sie wieder zu treffen.
Der Präsident des „American Council of Vedic Astrology“, Dr. David Frawley, einer der bedeutendsten amerikanischen vedischen Astrologen, der weltweit und somit auch von den indischen Astrologen größte Anerkennung genießt und der mehr als 20 Bücher über vedische Astrologie und Ayurveda verfasste, hielt einen Vortrag über die Ursprünge bzw. die Wurzeln der vedischen Astrologie.

[Prof. J. Sekhar, M. L. Mathis, C. Sutton]

Prof. Jaya Sekhar, pensionierter Präsident des Institutes für Astrologische Studien in Madras, der bereits eine Berufserfahrung von 46 Jahren als Astrologe hat0, und den wir bereits als fantastischen Lehrer in Deutschland früher kennen gelernt hatten, beeindruckte uns einmal mehr durch seine klaren Ausführungen über das Thema Heilung.
Der indische Astrologe Sanjay Rath, Autor mehrer Bücher über Vedische Astrologie, vermittelte in seinen Vorträgen über die spirituelle Dimension der vedischen Astroloige.
Der Amerikaner James Kelleher, einer der führenden Aktivisten von ACVA und der den Titel „Jyotish Vachaspati“ vom ICAS (India Council of Astrological Science) verliehen bekam, führte uns in die Kunst der Stundenastrologie und in verschiedenste vedische Prognosetechniken ein.

Dr. K.S.Charak, ließ seine Erfahrungen als praktizierender Chirurg in seinem hochinteressanten Vortrag „Medizinische Astrologie“ einfließen.
PH.D. Denis M. Harness, Präsident des ACVA und Professor am Kepler College und an der Hindu University of America, erläuterte die Bedeutung der Mondstationen, den Nakshatras.
Sat Siri Khalsa , eine der Direktoren von ACVA, hielt ein Workshop über das Dasa-System, eines der bedeutendsten indischen Prognosesysteme.
Edith Hathaway, eine der wenigen Astrologinnen die sowohl Östliche als auch Westliche astrologische Prognosemethoden anwendet, berichtete über ihre Forschungsergebnisse des Themas „Planetarer Krieg“.
Andrew Foss, Präsident der BAVA, Physiker, Astronom und Autor zahlreicher vedischer Bücher und Softwareentwickler, erzählte von den neuersten Erkenntnissen der vedischen Astrologie in Südindien.
Alle Vorträge waren höchst interessant und haben uns zu einer vertiefenden Fortsetzung unserer Studien in vedischer Astrologie motiviert.

Zur Einstimmung auf den Tag konnten wir jeden Morgen Yoga bzw. Meditation üben. Tagsüber gab es in den Pausen Erholung beim vegetarischen Luch und Dinner oder auch bei einer ayurvedischen Ölmassage, sowie bei einem herrlichen Bad im Hotel-Pool. Angenehm fanden wir natürlich auch das herrlich warme Klima, das allerdings häufig durch Ventilatoren und Klimaanlagen drastisch gestört wurde.

Den Ausklang des Kongresses genossen wir auf einer Bootsfahrt durch die Backwaters von Kerala, wo wir inmitten einer herrlichen Umgebung Gelegenheit hatten, noch einmal persönliche Fragen an die indischen Astrologen zu stellen.

Im Anschluss an den Kongress wurde eine achttägige „Spirituelle Reise“ angeboten, die wir und 15 Amerikaner buchten. Diese Busreise, unter der Führung des erfahrenen Organisators und Vedischen Astrologen James Kelleher führte uns auf der Strecke von Calicut über Mysore nach Bangalore. Auch während der Busfahrt unterrichtete uns James weiterhin in Stundenastrologie und lehrte uns auch die Rezitation der planetenspezifischen Mantren. Er ermöglichte uns unvergessliche Tempelbesuche, wie z.B. den Srikanteshwara Tempel in Nanjangud, oder die Tempelanlagen von Shravanabelagola mit dem Monolithen (18 Meter hoch) von Gommateshwara, dem wichtigsten Heiligtum der Jains, mit den beeindruckenden planetaren Götter-Darstellungen. Sehr überraschend war das Antreffen eines Astrologen in jedem größeren Tempel, der aus der Mondstation (Nakshatra) jedes einzelnen – ohne Computer - berechnete, welche schwierigen Planetenkonstellationen gerade diesen Lebensabschnitt erschwerten und welches Puja (Opferzeremonie) im Tempel durchgeführt werden sollte, um den entsprechenden Planeten freundlich zu stimmen. Können Sie sich vorstellen, dass bei uns in einem entsprechenden Gebäude ein Astrologe anzutreffen wäre?

Wir besuchten einige Astrologen, bei denen Kurzberatungen vereinbart wurden, um uns mit den unterschiedlichen Arbeitsmethoden der südindischen Astrologen vertraut zu machen, bzw. wie man ein „Prashna“, ein Stundenhoroskop, erstellt.

Zur astrologischen Konsultation saß der Astrologe auf einer Decke am Boden, vor sich hatte er eine Öllampe, Kerzen und diverse Opfergaben für Ganesha, dem Gott der Astrologie, sowie ein paar Muscheln und ein Brett mit der viereckigen Horoskopdarstellung, in das die sieben Planeten von Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn und die beiden Mondknoten mit Kreide eingezeichnet waren. Vor jedem Gespräch meditierte der Astrologe kurz und bat um gute Eingebungen.

Dann fragte er seinen Besucher nach dem Namen, dem Alter und dem „Birthstar“. Nach einigen Sprachschwierigkeiten (indisches Englisch) wussten wir, was damit gemeint war, nämlich die Mondstation, das Nakshatra, dem in der indischen Astrologie eine wesentliche Bedeutung zukommt, da auf dieser Position das Prognosesystem aufgebaut ist. Die Position des „Birthstar“ wurde mit einer besonderen Muschel auf dem Brett markiert. Jetzt erst wurde man aufgefordert, die persönliche Frage zu stellen, worauf der Astrologe die Muscheln gut durchmischte, dann eine „Handvoll“ daraus entnahm und auf die Seite legte. Aus der Anzahl der Möglichkeiten, jeweils 2 Muscheln von dem kleinen Häufchen der beiseite gelegten Muscheln zu entnehmen, schloss er dann auf den Aszendenten der Frage. Konnte er z. B. vier mal 2 Muscheln entnehmen, so markierte er einen Krebsaszendent, konnte er achtmal 2 Muscheln wegnehmen, so arbeitete er mit einem Skorpionaszendenten weiter. Mit dem so ermittelten Prashna beantwortete der Astrologe dann die gestellte Frage.

Erfreulicher Weise bekamen wir mehrheitlich sehr treffende Antworten und manche Astrologen konnten unmittelbar unsere Berufe, Krankheiten oder aktuelle Probleme sagen. Die Antworten enthielten immer Ratschläge betreffend unserem Verhalten oder unserer Ernährung, die zur Problemlösung beitragen sollten. Dazu zählten auch die Empfehlungen, bestimmte Edelsteine zu tragen oder Mantren zu rezitieren.

Der absolute Höhepunkt der Reise fand am letzten Tag in Form eines „Mahayagya“ statt, einem großen Tempelritual, das aus einem Surya-Puja (Sonnen-Opfer) und einem Navagraha bestand. Dies sind gottesdienstliche Riten, bei denen Feuer angezündet wird, in das Opfer gegeben werden, ähnlich wie wir das bereits beim Eröffnungszeremoniell des Kongresses erlebt hatten. In diesem Falle ging es um die Erwirkung des spirituellen Segens für uns, unsere Angehörigen, Freunde, Schüler und Kunden. Unter Anleitung konnten wir aktiv am Ritual teilnehmen. Zwischendurch gab es auch ein Tempelessen, das auf einem Palmblatt serviert wurde. Die gesamte Zeremonie dauerte von 8 bis 15 Uhr und lässt sich in ihrem Gesamteindruck und deren Wirkung kaum beschreiben, man muss es wirklich selbst erlebt haben, um dies zu verstehen.

Beeindruckt sowie bereichert an Wissen und Erfahrung, mit vedischer Literatur, Sari, Kurta und duftenden Räucherstäbchen im Gepäck, traten wir am 7. Dezember 2003 die Rückreise an.

© Maria Luise Mathis

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