18.06.2008 7. KONGRESS DES DGVA IM MAI 2008

Der diesjährige Kongress der Deutschen Gesellschaft für Vedische Astrologie wurde in den schönen Seminarräumen des Hotels Wasseruhr in Wörrstadt vom 2. bis 4. Mai 2008 abgehalten


[©Foto: Nicholas und Gudrun Lewis]

Die Veranstalter Gudrun und Nicholas Lewis gaben, wie immer, ihr bestes, um interessante Referenten aus aller Welt für Workshops und Vorträge zu gewinnen.


[©Foto: Alexander Lubensikis]

So konnten wir gleich zu Beginn von Alexander Lubenskis (Lettland) in einem Workshop etwas über "Swara Yoga, das geheimnisvollste System der Prognose und Änderung der Lebensumstände" etwas erfahren. Nach seinen Ausführungen bedeutet Swara soviel wie Klang des Atems und Swara Yoga handelt von der Wissenschaft des Atems, bzw. wie man durch den Atem zur Einheit gelangt. Die Weisen Indiens, die Rishis, studierten den Atemprozess und damit die Bedeutung der unterschiedlichen Energierhythmen, die das Prana, die Lebensenergie, steuern. Schließlich wurden eigene Techniken entwickelt, die dazu verwendet werden, diese Energie zu lenken, zu speichern und zu kontrollieren, um zu reinem Bewusstsein zu gelangen.

Lubenskis erklärte die Funktionsweise des Atems. Wenn man sich auf seinen Atem konzentriert, so kann man feststellen, dass der Atem meistens nur durch eine Nasenöffnung fließt. Nach etwa 60 - 90 Minuten wechselt die aktive Naseöffnung, der Atem fließt dann durch die andere Nasenöffnung ein und aus. Dabei entfaltet der Atem einen besonderen Einfluss auf die beiden Hemisphären des Gehirns, verschiedene Energiezentren und Aspekte des Nervenzentrums werden stimuliert. Wenn der Atem durch die linke Nasenöffnung fließt, die Inder nennen das Ida-Nadi, so werden stabilisierende, beständige und beruhigende Energien erzeugt. Während eher dynamische und anregende Energien gefördert werden, wenn der Atem durch das rechte Nasenloch, genannt Pingala, fließt. Während der Atem wechselt, Shushumna-Nadi, werden beide Nasenlöcher aktiv, es werden spirituelle Kräfte geweckt. Ida entspricht dem weiblichen und Pingala dem männlichen Prinzip, Shushumna der Kundalini-Energie.

Jemand der Swara Yoga praktiziert, ist sich der Wirkung seines Atemstroms bewusst. Lubenskis erzählte, dass er seinen Atem durch die linke Nasenöffnung lenkt, wenn er etwas beginnt oder gründet, was von Dauer sein soll. Andererseits forciert er seine Atmung durch die rechte Nasenöffnung, wenn er sich im Falle eines Konfliktes durchsetzten möchte und schnelle Reaktionen gefragt sind.

Weiters verwendet er die entsprechende Atmung dazu, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Er begründete seine Vorgehensweise folgendermaßen: Wenn über längere Zeit nur durch ein Nasenloch geatmet wird, ist das ein Zeichen von Unausgewogenheit, die zu Unpässlichkeit oder auch Erkrankung führen kann. Indem man die Atmung durch das andere Nasenloch forciert, kann das Gleichgewicht auf körperlicher Ebene wieder hergestellt werden.

Schließlich berichtete Lubenskis, dass er Swara Yoga bei Fragehoroskopen erfolgreich anwendet. Vereinfacht ausgedrückt sagte er, dass das Ergebnis des Fragehoroskops mit einem Ja unterstützt wird, wenn der Atemstrom im Augenblick der Frage durch seine linke Nasenöffnung fließt. Andererseits wird das Nein forciert, wenn der Atemstrom durch seine rechte Nasenöffnung fließt. Sein jeweiliges Ja oder Nein setzt aber die Kenntnis des Panchang (indischer astrologischer Kalender) voraus. Je nach Wochentag (Vara) und Mondphase (Tithi) ändert sich nach seiner Ansicht die oben genannte Regel.


[©Foto: Rafael Gil Brand]

Parallel konnte man im Workshop von Rafael Gil Brand (Deutschland) über "Gochara - die Transite von Jupiter, Saturn, Rahu und Ketu (die nördlichen und südlichen Mondknoten) in der Praxis unter Berücksichtigung des Ashtaka Vargas" erfahren. Anhand eines umfangreichen Leitfadens zur Deutung von Transiten demonstrierte er die Vorgehensweise Schritt für Schritt. Bevor man also die Transite nach ihrer eigenen Natur interpretiert, sollte man die besondere Bedeutung der Planeten im Horoskop und im laufenden Dasa (Planetenperiode) feststellen. Je nachdem, ob ein Transitplanet in seinem Domizil, ob er verbrannt und ob er direkt oder rückläufig ist, kann er sehr unterschiedliche Resultate anzeigen. Die Belange des Hauses, durch das der Transitplanet läuft, wie auch die dort befindlichen Planeten werden durch den transitierenden Planeten aktiviert. Unter anderem wurde auch die Wirkung von Vedha (Verhinderungen) und Ashtaka Varga (Anzahl der Kraft-Punkte, die ein Planet beim Transit durch ein Haus auslöst) anschaulich dargestellt.

Am Nachmittag erklärte Nalini (Tom Hopke - Amerika) anhand verschiedener Teilnehmerhoroskope: "Wie beurteile ich ein Horoskop unter Berücksichtigung der Stärken und Schwächen." Einmal mehr wies er auf die Bedeutung der Position des Herrschers des 1. Hauses in der Radix hin. Während die Herrscher der Häuser 5, 9 und 10 Förderungen und günstige Eigenschaften erkennen ließen, könne man an den Herrrschern des 6., 8., und 12. Hauses eher die Herausforderungen des Lebens und vor allem die gesundheitlich problematischen Aspekte ablesen.


[©Foto: Nalini, Tom Hopke]

Samstag referierte Nalini über :"Wie finde ich die karmischen Grundmuster eines Horoskops?" Grundsätzlich ist nach seiner Meinung der Aszendent und davon abgeleitet der Herrscher des 1. Hauses für das körperliche In-Erscheinung-Treten maßgeblich. Seine Position in Zeichen und Haus gibt Auskunft über das Lebensthema dieser Inkarnation. Während das 5. Haus dem mitgebrachten guten Karma aus früheren Leben entspricht, gibt das 9. Haus den deutlichsten Hinweis auf den karmischen Weg, der in diesem Leben einzuschlagen ist. An der Position der Himmelslichter, Sonne und Mond, kann der denkende, fühlende und wollende Geist, der zur Vollendung strebt, abgelesen werden. Je dominanter Saturn im Horoskop gestellt ist, umso mehr ist man bereit, hart zu arbeiten, auf vieles zu verzichten und Spiritualität zu praktizieren. Entsprechend Jupiter findet man die richtige Lebenseinstellung und die Mondknoten zeigen eine wichtige Schnittstelle zwischen früheren Leben und jetziger Lebensaufgabe auf. Wichtige Hinweise zur Entwicklung des Bewusstseins kann man schließlich vom Atmakaraka, dem Planeten mit der höchsten Gradzahl, ablesen.


[©Foto: Alfred Brötz]

Am Sonntag hielt Alfred Brötz (Österreich) einen bilderreichen Vortrag über: "Hand und Horoskop: Grundstrukturen und Papillarlinien als genotypischer Hintergrund." Er stellte die Hand als Landschaft mit Bergen, Flüssen und Tälern dar, in sich der Kundige zurechtfinden kann. Er erklärte die Zusammenhänge zwischen der Handform und der Elementeverteilung im Horoskop, wie auch zwischen den Handbergen und den Planetenprinzipien. Sozusagen schloss er aus der Höhe und der Festigkeit z.B. des Jupiterberges auf eine dominante Jupiterstellung im Horoskop. Ebenso ordnete er die Verteilung der Planeten in den 4 Quadranten der Handinnenfläche zu, während jedem Fingerglied ein Tierkreiszeichen entsprach. Auch das Verhältnis zu Vater, Mutter, den Geschwistern oder zum Ehepartner leitete er unter anderem von den diversen "Bergen" ab. Besonders detailliert besprach er schließlich die Papillarmuster der Hand und ihre Bedeutung.

Beim Vortrag von Rafael Gil Brand: "Deutung der Dispositoren in Zeichen und Nakshatras" wurde klar, welch wichtige Rolle die Dispositoren des Aszendentenherrschers, von Sonne und Mond und des Atmakakrakas spielen. Durch Aspektverbindungen können sie jedenfalls die Stärke eines Planeten um ein Vielfaches erhöhen. Ein stark gestellter Dispositor kann einem von ihm beherrschten Zeichen und damit einem Haus, bzw. Nakshatra (Mondstation) sehr viel Kraft verleihen. Während ein schwach gestellter Dispositor anzeigen kann, dass die Belange des Hauses oder des Nakshatras, das er beherrscht, nur unter großen Anstrengungen verwirklicht werden können.

Den Abschluss bildete Alexander Lubenskis mit seinem Vortrag über: "Agrala - ein System der Integration der Häuser". Das Argala-Konzept ist eine Spezies der vedischen Astrologie. Dabei wird mit der wechselseitigen Beeinflussung bestimmter Häuser durch ihre innere, inhaltliche Ausrichtung gearbeitet. Z.B. haben das 2., 4. und 11. Haus primär, das 5. und 8. Haus sekundär, vom zu untersuchenden Haus aus eine sehr positive Wirkung, die beachtenswert erscheint.


[©Foto: Maha Sri Yantra]

Durch gleichermaßen spezielle, wie anspruchsvolle Themen konnten die Teilnehmer viel Neues und Praktikables mitnehmen. Ergänzend dazu konnte man sich mit entsprechender Literatur in der den Kongress begleitenden Indologischen Buchhandlung bedienen. Besonders wertvoll für mich ist ein farbenprächtiges Maha Sri Yantra mit den Symbolen für Bewusstheit, Gesundheit, Zufriedenheit und Glück. So danke ich Gudrun und Nicholas Lewis für die ausgezeichnete Organisation, die liebvolle Betreuung und das freundliche und herzliche Klima des Kongresses.

©  Mag. Maria Luise Mathis

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