
Beatrice Ganz eröffnete das 13. Internationale Zürcher Symposium für Astrologie mit herzlichen Worten. Diese Institution wurde 1997 von ihr, geprüftes Mitglied DAV und Fachmitglied SAB/SAF, ins Leben gerufen. Das Symposium hat sich erfolgreich etabliert und will Beziehungen aufzeigen, die zu anderen Wissensgebieten bestehen, und die Akzeptanz der Astrologie in der Gesellschaft allgemein fördern. In Workshops sollen die Anwesenden durch die Deutung ihrer Horoskope die Zuverlässigkeit der astrologischen Aussagen erfahren können und die empirische Erfahrungs-Wissenschaft bewiesen werden. Bezug nehmend auf das sich neu formierende Weltfinanzsystem und die sich bildende Spannungsfigur zwischen Saturn, Uranus und Pluto, die sogenannte Kardinale Klimax, erinnerte Beatrice Ganz an den Wert der Astrologie: Sie mache Krisen verstehbar. Sie schloss mit einem Zitat des Industriemanagers Gerhard Cromme, das gut als Motto für die Deutungsarbeit der Astrologen passte: "Es kommt selten so gut wie erhofft, aber auch selten so schlimm wie befürchtet."

Dr. Harald Thurnher aus Wien wirkte gewohnt charmant als Moderator und "Herr der Zeit". In seiner zweiten Funktion als Referent stellte er Roberto Assagiolis Psychosynthese und ihren Nutzen für die Astrologie vor. Das berühmte Diktum "Werde was du bist" beleuchtete er mit Assagiolis Konzept der "Teilpersönlichkeiten". Durch das Bewusstsein der unterschiedlichen Persönlichkeitsanteile und deren Synthese wird ein ganzheitliches Leben möglich. Am Beispiel der Horoskope von Roberto Assagioli (Psychosynthese) selber und Erich Fromm ("Die Kunst des Liebens") zeigte Dr. Harald Thurnher schliesslich, welche "Teilpersönlichkeiten" in deren Hauptwerken zur Synthese gebracht wurden.

Dr. Christoph Schubert-Weller wies in seinem pointierten Vortrag auf die Chancen und Gefahren der mundanen Konjunktionen von Jupiter/Neptun im Jahr 2009 und Jupiter/Uranus im 2010/2011 hin. Im positiven Fall können sie die Lichtbringer sein im harten Umfeld der Kardinalen Klimax. Jupiter/Neptun kann den Impuls für einen Traum setzen, das "Grosse Ganze" ins Auge fassen. Die Geschichte zeigt jedoch auch eine andere Entsprechung. Die dreimalige Jupiter/Neptun-Konjunktion im Jahr 1919/1920 etwa ging einher mit masslosem Gelddrucken, ähnlich wie heute. Damals sei ein Inflationsmonster in die Welt gesetzt worden. Jupiter/Uranus, die ab Juni 2010 dreimal eine gemeinsame Passage bis Anfang 2011 machen, deutet der Referent als Neuanfang, der sich in Verschwommenheit oder gar einer völligen Zerredung verflüchtigen könnte: Die erste Konjunktion findet im Zeichen Widder, die nachfolgenden zwei im Zeichen Fische statt. Den mit Uranus angezeigten "Sprungs ins Neue" sieht der Referent in einem weiten Horizont: Von der genialen Erstidee bis zum Paradigmenwechsel (etwa in der Hirnforschung) sei alles möglich.

Friedel Roggenbuck stellte in einem Workshop seine spannenden Erkenntnisse über die kollektiven Prägungen der Neptun/Pluto-Generationen vor. Er legte dar, dass die Stellung von Pluto in einem Zeichen ein entscheidender Faktor bei der Charakterisierung und Unterscheidung der Generationen ist. Welche soziologische Folgen daraus für die Gesellschaft der Gegenwart und der Zukunft erwachsen, skizzierte er anschaulich anhand der Altersstruktur. Er rechnete vor, dass seit 31.12.1950 bereits vier Generationen mit Pluto in verschiedenen Zeichen zusammenleben, in Zukunft würden es pro hundert Jahre noch mehr sein. Die Folge sei, dass ein gemeinsamer Faden immer schwieriger zu finden ist. Bei der Generation mit Pluto in Jungfrau, die ab 2023 vor der Pensionierung steht, sieht Friedel Roggenbuck zudem eine Revolution der Älteren als mögliches Szenario: Diesen Menschen sei die Gesundheit wichtig und ihnen liege viel an einer optimalen Gestaltung des Alters.

Magister Maria Luise Mathis machte in ihrem Vortrag auf eine praktische Methode aufmerksam, die leider etwas in Vergessenheit geraten sei, da sie nicht von Computerprogrammen abgedeckt wird: Die Dominationsketten oder Dispositorenketten werden über die Herrscherbeziehungen von Planeten und Zeichen eruiert. Mit dieser "Schnappschussmethode", wie sie Mathis auch nennt, kann in kurzer Zeit der wesentlichste Planet in einem Horoskop ermittelt werden. Mit der Psychosynthese gesprochen wäre dies die wichtigste Teilpersönlichkeit eines Klienten. Anhand einiger prominenter Beispiele (Warren Buffet, Arnold Schwarzenegger, Camilla Parker Bowles, Dalai Lama, Jodie Foster, Bill Gates, Paris Hilton, Barack Obama) demonstrierte die Referentin die präzise Aussagekraft dieser Methode.

Holger A. L. Fass referierte über eine von ihm nach der systemischen Therapie entwickelte Methode der Horoskopaufstellung. Sie entstand aus dem Bedürfnis heraus, den Klienten nebst einer Problemanalyse anhand des Horoskops auch eine konkrete Hilfestellung geben zu können. Der Fokus richtet sich dabei nicht auf das Problem, sondern eine mögliche Lösung. Diese ist jedoch nicht von vornherein festgelegt, wie etwa beim Familienstellen nach der Hellinger-Methode. Über das Stellen von Planeten in ihren Häusern, Zeichen und Aspekten durch Stellvertreter wird ein Dialog mit der innerpersönlichen Dynamik einer Konstellation ermöglicht. Holger Fass tritt in diesem Feld als Fragesteller auf. Das Ziel der Horoskopaufstellung ist des, eine (negative) innere Haltung einer Person (positiv) zu verändern.

Verena Bachmann lotete in ihrem Vortrag "Die Grenzen der Freiheit - Freiheit in Grenzen" aus. Sie stellte die Saturn-Uranus-Opposition als Wegbereiter-Konstellation für die kommende Jupiter/Uranus-Konjunktion und das Quadrat von Uranus zu Pluto vor. Das zeigte sie an den letzten beiden Oppositionen von Saturn und Uranus auf, die 2010 auf denselben Gradzahlen stattfinden wie die ersten beiden Konjunktionen von Jupiter/Uranus (Anfang kardinal und Ende veränderlich). Bachmann entwirft das Szenario, dass das bisherige Weltbild auf den Kopf gestellt werde, Wertungen würden sich verschieben, nicht zuletzt auch für die Astrologen. Ohne die Herausforderungen der mundanen Konstellationen zu unterschlagen, verweist die Referentin in bewährt konstruktiver Weise auf das Potential der Saturn-Uranus-Opposition, das in der Ergänzung der beiden Prinzipien liegt. Als Stichworte nennt Verena Bachmann Eigenständigkeit, bewusste Wahl des eigenen, individuellen Weges, Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen und die Folgen von Veränderungen zu tragen.

Holger Fass und Christoph Schubert-Weller bestritten das humoristische Abendprogramm. Holger Fass widmete sich den Abgründen des astrologischen Alltags, welchen er in einem Lied nach der bekannten Melodie des Reinhard-Mey-Lieds "Über den Wolken" auf den Punkt brachte. Kabarett-Partner Christoph Schubert-Weller bot mit seiner Blockflöte eher leisere musikalische Töne, dafür umso schärfere Beobachtungen über die Astrologenszene und deren Geschäftstüchtigkeit.

Der Börsenastrologe Henning P. Schäfer gab Einblick in seine Ausarbeitung von Prognosen. Als wichtigste Prognosetechnik verwendet er Transite, die er mit einem eigenen Punktesystem bewertet. Saturntransite wirken sich gemäss seinen Beobachtungen bis zu elf Tagen nach dem Exaktwerden aus, Jupitertransite bis zu 14 Tage vorher. Konkret sagt er eine Bullenparty für den Dax noch bis 9.3.2010 voraus, beim Gold sieht er einen Höhepunkt im März/April 2010 und empfiehlt für den Rest des Jahres eine Absicherungsstrategie.

Wolfhard König betrachtete am Beispiel der drei Hauptplaneten Mond, Saturn und Sonne die verschiedenen Komponenten, die Beziehungsfähigkeit ausmachen. Die Entwicklungspsychologie unterscheidet drei Formen von Bindung die sichere, die ambivalente und die desorganisierte. Bei der sicheren Bindung hat sich das Kind von der Mutter als geliebt und angenommen erleben dürfen; astrologisch wird dies über blaue Aspekte angezeigt; bei der ambivalenten ist es sich nicht sicher, ob es geliebt ist, erwartet also unbewusst, dass niemand es liebt, dies wird durch grüne Aspekte sichtbar; bei der desorganisierten Bindung war die Mutter mal da, mal nicht, was beim Kind das Gefühl des gerade noch knapp Überlebens auslöst, hier sind rote Aspekte zu erwarten. Wie Wolfhard König ausführt, werden im ersten Lebensjahr eines Kindes solche Bindungsmuster gebildet, die die späteren Beziehungen im Erwachsenenalter prägen. Defizite in diesen Bereichen werden im besten Fall in einer Therapie aufgearbeitet.

Heidi Dohmen stellte in ihrem Vortrag Uranus als "Planet des Menschen" ins Zentrum, in Kombination mit Pluto. Sie näherte sich dem aktuellen Zyklus' an über die Deutung des Horoskopes der letzten Konjunktion am 9.10.1965. In detaillierten Analysen legte sie dar, dass die Herausforderung dieser beiden Planeten für die Menschen darin liegen wird, die Menschlichkeit zu bewahren. Wirtschaftliche Interessen respektive Ausbeutung von Mensch und Natur (Pluto) stünden humanistischen Interessen gegenüber (Uranus), wenn diese beiden zusammenkommen. Pluto steht für die Macht des Geldes, Uranus für die Macht des Geistes. Zwischen 2012 und 2015 bilden sich sieben Quadrate zwischen diesen beiden. Für das Horoskop vom ersten Quadrat am 24.6.2012 analysiert Heidi Dohmen harzige Friedensbemühungen, gnadenlose Konsequenzen aus Umweltschäden und weitere Einbrüche der Weltwirtschaft. Ihr Fazit: Der Mensch lerne noch viel zu oft aus Katastrophen, sie bleibe aber dennoch optimistisch.

Rolf Baltensberger sorgte mit seinen Ausführungen zu den astronomischen Hintergründen von Transpluto, seinen Deutungsbeispielen und dem anschliessenden Verweis auf den aktuellen Forschungsstand für eine kleine Überraschung. Denn gemäss heutigem Wissensstand muss davon ausgegangen werden, dass es Transpluto nicht gibt, obwohl es Bahnstörungen von Planeten gab, die eine solche Existenz nahe legten. Erstmals war 1946 durch den frz. Astronomen Francis M.E. Sevin die Bahn des angenommenen Planeten berechnet worden. Transpluto fand insbesondere beim SAF als Deutungsfaktor Eingang, Horoskopbeispiele belegten die Stimmigkeit der Deutungen mit Transpluto als Herrscher über das Waagezeichen. Das Beispiel Transpluto warf für Rolf Baltensberger grundsätzliche Fragen auf: Wie geht die astrologische Gemeinschaft mit neuen Planeten um? Welche Regeln entscheiden über die Aufnahme eines Faktors? Für Rolf Baltensberger stellt sich hier die offene Frage, ob denn die Theorien der Astrologen noch stimmen?

Heidi Treier wählte das Bild des leeren Tierkreises für ihre Darstellung der grossen Planetenzyklen. Von der letzten Uranus/Pluto Konjunktion im Jungfrauzeichen 1965 bis zur nächsten im Jahre 2103 im Zeichen Stier spannte sie den Bogen, um den Weg unserer Entwicklung zu veranschaulichen. Umkehr und Katharsis ist für sie das Thema dieses Zyklus, in dessen genauer Mitte Plutos Durchgang durch das Zeichen Steinbock zu finden ist, mit der Konjunktion von Saturn/Pluto im Jahr 2020. Für die Feindeutung der gesamten Zeitspanne betrachtete sie die einzelnen Gradzahlen wichtiger Zyklenstationen und deutete sie mit den Sabischen Symbolen nach Dane Rudhyar und Marc Edmund Jones.

Roland Jakubowitz sprang für die nicht anwesende Margarethe Laurent-Cuntz ein. Er refererierte über das Horoskop als Spiegel unserer Vergangenheit. Mit Überzeugung vertrat er das Konzept, dass ein Horoskop das Abbild früherer Inkarnationen ist. In der jetzigen Inkarnation hätten wir hier etwas zu lernen und zu verändern. Dabei unterscheidet Roland Jakubowitz drei Ebenen, auf denen Horoskopfaktoren gelebt werden: wenn die destruktive Form (unbewusst) gewählt wird, wird das karmische Muster wiederholt, wenn sie defizitär gelebt wird, spiegelt uns unsere Umgebung diese Energien, wenn wir die Planeten jedoch entwickeln, leben wir sie auf konstruktive Weise. Die spontanen Horoskopdeutungen, die der Referent für Leute aus dem Publikum vornahm, demonstrierten eindrücklich diesen Aspekt.
Das 14. Internationale Zürcher Symposium für Astrologie wird am Wochenende des 27. und 28. November 2010 seine Tradition im Restaurant "Au Premier" in Zürich in gemütlichem Ambiente fortsetzen, mit genügend langen Pausen zwischen den interessanten Beiträgen für einen regen Dialog zwischen den Referenten und den Zuhörern.
Info: www.zuercher-symposium.ch, info@zuercher-symposium.ch, ©Trudy Baumann
Mag. Maria Luise Mathis
Präsidentin des Österreichischen Astrologenverbandes
Berufsgruppensprecherin der Astrologen NÖ
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