03.04.2007 WIE WALTER ZU WALTRAUD WIRD

Frau werden, war das große Ziel der Transsexuellen Dr. Waltraud Schiffels, die ich vor Jahren auf einem Astrologiekongress kennen lernte. Sie war bereit, mir aus ihrem Leben zu erzählen, bzw. habe ich ihr überaus spannendes Buch "Frau werden, Von Walter zu Waltraud, Authentischer Bericht einer Transsexuellen", edition ebersbach, eFeFVerlag 1992, ISBN 3-905493-34-9, gelesen. Darin berichtet sie, wie sie als Mann in besten Jahren und in bester Position mit dem Gefühl umgegangen ist, den falschen Körper zu haben. Wir wollen sie aus astrologischer Sicht betrachten und werden den Spuren des ungewöhnlichen Lebens von Fr. Dr. Waltraud Schiffels anhand ihres Horoskops folgen.

Was bedeutet eigentlich Transsexualität?
Laut der Internationalen Klassifizierung von Krankheiten der Weltgesundheitsorganisation WHO ist Transsexualität eine Form der Geschlechtsidentitätsstörung.

Sie liegt dann vor, wenn ein Mensch körperlich eindeutig dem männlichen oder weiblichen Geschlecht angehört, sich jedoch als Angehöriger des anderen Geschlechts empfindet und danach strebt, auch körperlich diesem Geschlecht soweit als möglich angeglichen zu werden.

Menschen die physisch weiblich sind, aber ein männliches Identitätsgeschlecht haben, werden als Transmänner bezeichnet; Menschen die physisch männlich sind, aber ein weibliches Identitätsgeschlecht haben, bezeichnet man entsprechend als Transfrauen, wie mein heutiges Beispiel. Transsexuelle Menschen mit medizinischer oder juristischer Geschlechtsanpassung bezeichnen sich oft nicht mehr als transsexuell, sondern einfach als Mann mit transsexueller Vergangenheit oder als Frau mit transsexueller Vergangenheit. Die juristisch vollzogene Geschlechtsanpassung, also die Namensänderung, ist nicht zwingend von der medizinischen Geschlechtsumwandlung abhängig.

Damit sie Transsexuelle nicht mit Transvestiten verwechseln, sei noch erwähnt, dass man als "Transvestiten" Menschen bezeichnet, die sich gelegentlich oder regelmäßig als Angehörige des anderen Geschlechts "verkleiden". Für Menschen die sich nicht nur in der Kleidung, sondern auch "körperlich" dem jeweils anderen Geschlecht anzupassen versuchen, schuf der deutsche Arzt und Sexualforscher Magnus Hirschfeld 1910 den Begriff des "seelischen Transsexualismus". In den 90er Jahren wurde der Begriff "Transsexualität" durch den Begriff "Geschlechtsidentitätsstörung" ersetzt.

Was kann nun die Astrologie zu diesem Phänomen erklärend beitragen?
Es ist keine Frage, dass man generell Identitätsprobleme im Horoskop erkennen kann. Was denken sie, welche Planeten damit in Verbindung stehen könnten?

Neptun - das Symbol der Sensibilität, der Feinfühligkeit, der inneren Gewissheit, des Gefühles der Zugehörigkeit, kann auch mit Unverstandensein, Fremdheit und dem undefinierbaren Gefühl, dass etwas falsch ist, in Verbindung gebracht werden. Steht Neptun im Horoskop prominent, dann kann es schwierig sein, eine Ich-Identiät zu entwickeln.

Uranus - das Symbol für Individualität, das Besondere, das Maß an innerer Freiheit, das Bedürfnis nach Unabhängigkeit, kann auch mit dem Gefühl "anders" zu sein, oder dem Gefühl entgegen ihrem körperlichen Geschlecht "eigentlich" ein Junge bzw. ein Mädchen zu sein, in Verbindung gebracht werden.

Ist das Geschlecht im Horoskop ersichtlich? Diese Frage bekomme ich sehr oft gestellt. Ich meine ja. Aber dieses Ja gilt nur für die psychische Geschlechtlichkeit.

Auf der physischen Ebene unterscheidet sich der Mann von der Frau bekanntlich durch das geschlechtsdeterminierende Y-Chromosom. In der embryonalen und späteren Entwicklung führt dies zur Ausbildung der körperlichen Geschlechtsmerkmale.

Wenn man von der prägenden Funktion der gesellschaftlichen und kulturellen Rollenbilder ausgeht, kann man eine Tendenz zu einem vom Geschlecht unabhängigen Verhalten feststellen. So gelangen manche zu der Überzeugung, dass es auf psychischer Ebene weder weiblich noch männlich gibt, alles ist dann nur eine Frage der Erziehung und des kulturellen Umfeldes. Dann erscheint es auch sinnvoll, dass diese beiden Begriffe durch Aktiv und Passiv zu ersetzten, weil sie so sehr in Misskredit gekommen sind.

Gibt es in diesem Sinn überhaupt noch Weiblich und Männlich?
Sind diese Begriffe nicht überkommen bzw. altmodisch geworden?

Schließlich entstehen wir aus einer aktiven Beziehung zwischen Mann und Frau, zumindest bist jetzt. Wir tragen die Energie unserer Eltern in uns, indem wir uns mit dem einen oder anderen Elternteil mehr oder weniger identifizieren. Das Kind ist eine völlig neue, eigenständige Persönlichkeit, trägt aber die Anlagen und Wesenszüge beider Eltern in sich.

Wie das auf körperlicher Ebene aussieht, kann man auf dieser Fotomontage sehr gut erkennen. Die Gesichtshälften werden grafisch halbiert, dupliziert und gespiegelt. Fügt man die zwei rechten Gesichtshälften zusammen, dann ergibt das annähernd das Bild der Mutter, fügt man die beiden linken Gesichtshälften zusammen, so erhält man das Bild des Vaters.


[©Foto: Fritz Amtmann]


[©Foto: Fritz Amtmann]


[©Foto: Fritz Amtmann]


[©Foto: Fritz Amtmann]

Was auf physischer Ebene deutlich sichtbar gemacht werden kann, findet ebenso auf psychischer Ebene statt, nur kann man es nicht so leicht erkennen. Wir fühlen so, wie der Vater - männlich - und so wie die Mutter - weiblich, man könnte auch sagen, wir identifizieren uns mit dem Männlichen und/oder dem Weiblichen und projizieren dies auf Mutter und Vater.

Bitte beachten sie, dass es hier nicht um Wertung des Weiblichen oder Männlichen geht! Der Gedanke der Gleichwertigkeit von Mann und Frau setzt sich immer mehr durch, dennoch sind sie sehr verschieden, sie sind gegensätzlich veranlagt und ergänzen einander.

Die Tatsache, dass jemand das Gefühl hat, den "falschen Körper" zu haben, also dass die psychische Geschlechtlichkeit nicht mit der physischen Geschlechtlichkeit übereinstimmt, ist für mich ein Beweis mehr, dass es ein Gefühl als Mann bzw. als Frau gibt, das sich sehr wohl im Radix erkennen kann.

Aktive, männliche und passive, weibliche Tierkreiszeichen:
Nach alter Tradition werden Widder, Zwillinge, Löwe, Waage, Schütze und Wassermann zu den aktiven oder männlichen Zeichen gezählt, während Stier, Krebs, Jungfrau, Skorpion, Steinbock und Fische als passiv oder weiblich gelten.

So gesehen könnte man zur Auffassung gelangen, dass jeder Mann, der einen Krebs-AC hat, eigentlich ein "Mädchen" ist und Frauen mit einem Löwe-AC meist die "Hosen anhaben".

Aktive, männliche und passive, weibliche Planeten:
Auch in der Planetenwelt gibt es die Einteilung in Polarität und damit Sexualität. Die Sonne offenbart das Vaterprinzip und damit das Urmännliche. Der Mond hingegen wird zum Repräsentanten alles Mütterlichen, Weiblichen. Beide Lichter erscheinen optisch für uns auf dieser Welt gleich groß und sind gleich wichtig für die menschliche Existenz.

Das nächste gegensätzliche Planetenpaar Mars und Venus verdient ebenso unsere Aufmerksamkeit. Mars wird eindeutig der männliche Pol der Weltsexualität und Venus der weibliche Pol dieser zugeteilt. Man beachte, dass sich die Erdbahn unmittelbar zwischen diese beiden Planetenbahnen befindet. Oskar Adler teilt noch ein in ein "organisches" Sexualerlebnis, wobei er die Stier-Skorpion-Achse meint, und in ein "geistiges" Sexualerlebnis, das er der Widder-Waage-Zeichen zuordnet.

Um also die seelische Geschlechtlichkeit im Horoskop festzustellen, betrachten wir vor allem die Stellungen von Sonne und Mars, sowie Mond und Venus in den einzelnen Häusern und Zeichen, sowie deren Aspekte.

Das Phänomen der Transsexualität konnte ich tatsächlich in Horoskopen folgenden Aspekten zuordnen:

Bestrahlt Uranus, das Symbol für Unabhängigkeit, Freiheit und Andersartigkeit einen der bereits erwähnten im traditionellen Sinne geschlechtsspezifischen Planeten, so kann es in der Geschlechtsidentität zu Abweichungen vom Alltäglichen kommen. Und war es nicht Uranus, dessen Glied abgetrennt und ins Meer geworfen wurde? Analog zur Mythologie müsste der Planet Uranus vor allem bei der Operation zur Geschlechtsanpassung doch eine größere Rolle spielen. Wir werden sehen, ob sich diese Annahme auch bestätigt.

Auch Neptun, das Symbol für grenzauflösende Energien, kann im Aspekt mit Sonne, Mars, Mond oder Venus das geschlechtsspezifische Identitätsgefühl in Frage stellen.

Jetzt wollen wir anhand des Horoskops verfolgen, wie Walter zur Waltraud wurde.

Dr. Waltraud Schiffels ist am 12.4.1944 um 11 Uhr SZ in Saarbrücken als Walter in Deutschland, geboren. Ich habe übrigens ihre Geburtszeit auf 10:45 korrigiert. Ich werde diese Geburtszeitkorrektur anhand der Auslösungen der Direktionen später begründen.

In dem Buch: "Frau werden, Von Walter zu Walraud, Authentischer Bericht einer Transsexuellen" (edition ebersbach im eFeF-Verlag) schreibt Waltraud Schiffels auf S 12 folgendes zu ihrer Geburt:

"Vor achtundzwanzig Jahren bin ich als eindeutig männliches Kind auf die Welt gekommen. Vierundzwanzig Jahre habe ich Walter Schiffels geheißen. Heute bin ich ganz offiziell Waltraud Schiffels."

Das Geburtshoroskop:

Am Horizont steigt ein weibliches Zeichen auf. Der Krebs-AC im Horoskop von Walter verrät einen empfindsamen und feinfühligen Charakter, der sich hinter einer Maske kindlicher Unschuld versteckt. Er begegnet der Welt eher schüchtern, wankelmütig und ein wenig ängstlich, und neigt dazu, schmollend und nachtragend zu sein. Eine Tendenz zu Melancholie kann leicht in Selbstmitleid übergehen. Er ist auf der Suche nach Nähe und Geborgenheit, Mitmenschen sollen ihm Sicherheit geben.

Der Planet Mars im Fall am AC, zeigt die aggressive Grundstimmung im Leben von Walter an, er wurde zu Kriegsende geboren und die Geburt selbst musste wegen Bombenalarm immer wieder unterbrochen werden. Das Geburtstrauma ist nur eines von vielen Traumata in der Biographie dieses Kindes, dessen Lebensgeschichte eine einzige Aneinanderreihung von Abweichungen vom "Normalen" ist.

Walter ist der Sohn des Diplomingenieurs Edmund Schiffels und der Neurologin, Doktor Margareta Helena Geiger.

Sein Geburtsgebieter ist ein weiblicher Himmelskörper, der Mond. Er befindet sich in Schütze und verrät die Bildungsfreude und ein ausgeprägtes Gefühl der eigenen Besonderheit, sowie den inneren Drang, moralisch "gut" sein zu müssen. Der Mond stellt auch seine Mutter dar.

Seine Mutter war die Älteste von 18 Geschwistern und hatte zunächst einmal Glück. Sie wollte nicht auch zur Gebärmaschine werden, wie die meisten anderen Frauen ihrer Familie und in ihrem Dorf. Ihr Volksschullehrer erkannte ihre Intelligenz und ermöglichte die Matura und später die Ausbildung zur Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie. Wegen ihrer hohen moralischen Gesinnung, Mond in Schütze, weigerte sie sich, entsprechend dem Erbgesundheitsgesetz der Hitlerzeit, ihre geistig kranken Patienten zu melden. Sie verlor in der Folge ihren Posten an der Klinik und ließ sich in einem kleinen Dorf nieder, wo sie schließlich Walters Vater kennen lernte.

Walters Mond befindet sich Im 6. Haus. Da zeigt der Geburtsgebieter eine gewisse Tendenz zu Erkrankungen, und vor allem ein "Sich-fügen-müssen" in alle möglichen Umstände. Dieser Mond erhält ein Trigon von Venus, dem Symbol für Ethik und Schönheit. Dieser Aspekt steht für Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit, verleiht ihm einen guten Geschmack und lässt ihn von Liebe und Erotik träumen. Er wirkt sehr weiblich, seine Augen strahlen in charmanter Liebenswürdigkeit und er wird später stets bereit sein, sich zu verlieben. Mond Trigon Venus kann auch ein Indiz dafür sein, dass er von der Mutter in die Partnerebene gehoben wurde, was in der Pubertät zu Problemen führte.

Das Trigon zwischen Pluto und Mond verrät die Faszination und gleichzeitig die Angst, in die eigenen Gefühlstiefen hinabzusteigen, um sich selbst, die eigenen Motive, sowie die anderer Menschen zu erforschen. Gefühle von Macht und Ohnmacht können sich breit machen. Ein leidenschaftliches, lustvolles aber auch eifersüchtiges Wesen wird kombiniert mit einer Tendenz zu Heimlichkeiten, Mond Sextil Neptun. Die geschlossene Drachenfigur mit Neptun an der Spitze zeigt eine tiefe Sehnsucht nach Familie und Geborgenheit. Neptun im 4. Haus ist aber auch ein Hinweis darauf, dass er eben keine Familie hatte und dadurch ein großes Defizit an Zuwendung erlitt. Die Identifikation mit dem Vater misslang, da er ihn nie kennen lernte.

Schließlich wird sein Mond durch Uranus in der Opposition verletzt. Unberechenbare und schwankende Gefühle erhöhen seine Lebensspannung, er fühlt sich hin und hergerissen zwischen Nähe und Distanz. Er verliert leicht die Fassung, fühlt sich schnell eingeengt, genötigt und bedrängt. Dieser Aspekt zeigt am stärksten seine schwankende und leicht irritierbare Persönlichkeit, seine Zerrissenheit und seine chronische Unzufriedenheit mit der eigenen Körperlichkeit.

Diese Aspektfigur in Feuer- und Luftzeichen verstärkt die schnelle und impulsive Launenhaftigkeit, sowie das plötzliche Auftauchen von Unlustgefühlen.

Nicht nur dass sein Geburtsgebieter an einer schillernden Aspektfigur teilnimmt, bestrahlt er zusammen mit Uranus den MC und hebt seine ungewöhnliche Veranlagung erneut hervor. Mond in Achsenbindung betont einmal mehr seine feminine Veranlagung.

Walters Sonne steht in Widder erhöht, verspricht eine starke Vitalität, eine kämpferische Einstellung und die urmännliche Kraft, sich ungestüm, willensstark und impulsiv zu gebärden. Die Sonne bildet einen Aspekt zum MC, sie verleiht ihm den Mut, nach Tiefschlägen wieder aufzustehen und von Neuem zu beginnen.

Die Sonne symbolisiert den Vater. Dieser dürfte nach den Erzählungen der Mutter, ein sehr charmanter Mann gewesen sein, wie wir bereits vorhin gehört haben, hat Walter ihn nie kennen gelernt. Er hatte als Diplom-Ingenieur eine Anstellung, verdiente aber viel weniger als die Mutter.

Die Sonne erhält ein Halbquadrat von Uranus - ein bedrohlicher Aspekt. Beide Eltern liebten ihren Sohn über alle Maßen, doch von Beginn an entwickelte sich Walters Leben schwierig. Seine Geburt wurde durch mehrere Bombenangriffe unterbrochen. Eine Bombe traf das Haus, Mutter mit Kind waren im Keller verschüttet und sie konnten erst zwei Tage später geborgen werden. Der Vater war inzwischen eingezogen und seit November 1944 vermisst. Dann wurde bei der Mutter offene TBC festgestellt, sie musste in ein Sanatorium außerhalb der Stadt gebracht werden. Walter kommt zu Verwandten aufs Land.

Immerhin bekommt seine Sonne ein Trigon von Jupiter, eine wenig Glück im Unglück hat er schon, er beginnt sich wohl zu fühlen bei der Schwester der Mutter. Da ein Arzt bei dem mittlerweile zweijährigen Walter eine weitgehende Zerstörung und Ausweitung der Lunge als Spätfolge des Bombenangriffes feststellte, wurde er wenig später wegen Bronchiektasen in eine Kinderklinik eingeliefert. Er beschreibt seinen Zustand so, dass er emotionell völlig zugemacht hatte, die lebensbedrohliche Erkrankung, Sonne Uranus, der Schock von der Entfernung der Mutter, Mond Uranus, der Ortswechsel und der Verlust aller Bezugspersonen war offenbar für das Kind zuviel.

Saturn im 12. Haus, Sextil Sonne, bedeutet, der kranke kleine Walter entwickelt massive Zweifel an seinem Eigenwert. Saturn ist Herrscher von 7 und 8 und ist durch Pluto im Halbquadrat verletzt.

Aus "Frau Werden, Von Walter zu Waltraud", S 125:
"All das, was mir nun täglich mit Spritzen und durch Fixierungen erzwungene Liegekuren zugefügt wird, habe ich als pure Gewalt erfahren. Für mich gab es nur eine Möglichkeit: dies zu ertragen! Ich muss Gewalt und Schmerz zur Lust umdeuten. Und ich muss selbst zum weiblichen Menschen werden - dann kann ich nie mehr von Frauen verlassen werden. Masochismus und Transsexualität entstehen so nebeneinander."

Aus "Frau Werden, Von Walter zu Waltraud", S 126:
"So wurde ich unfähig, den eigenen Körper zu akzeptieren. Erstens ist er nur als Qualgrund erlebt worden. (Mond Opposition Uranus über der Achse 6 - 12. … Dann gehörte ich nicht zu dem Geschlecht, das mir allein die Macht zu haben schien, nämlich zu den Frauen, als deren Spielball ich mich fühlte (Mond Trigon Pluto). Und so entstand der Wunsch, weiblich zu sein. Denn dann wäre ich stark, dann könnte ich mit meinem Körper im Einverständnis leben, dann hätte ich Teil an der Macht. … Aber die so entstandene gegengeschlechtliche Wunschprägung in der frühkindlichen Identifikationsphase ist ganz real fixiert und auch bei Veränderung der Lebensumstände nicht mehr reversibel. So musste und wollte ich Frau werden, bevor es mir überhaupt gelingen konnte wahrzunehmen, an welchen Defiziten ich eigentlich gelitten hatte."

Das Lebensthema der Irritation der Geschlechtszugehörigkeit, ist aber vor allem in dem T-Quadrat zwischen Mars-Venus und Neptun zu finden. Mars-Quadrat-Neptun steht unter anderem auch für ein geschwächtes Bild des männlichen Prinzips, für Gefühle von Schwäche und Hilflosigkeit, aber auch für starke sexuelle Phantasien. Aggressionen kommen nur indirekt zum Ausdruck, die Gefahr von Verwahrlosung, Rausch und Sucht ist latent gegeben.

Mit Venus-Neptun-Qaudrat denkt man sofort an grenzenlose, transzendente Liebe, eine zartfühlende und romantische Natur, aber auch eine Tendenz, sich in trügerischen Wunschbildern der idealen Liebe zu verlieren. Erotische Entgleisungen, Flucht in Sucht und Rausch können die Folge von Erlebnissen sein, die mit Enttäuschung und Verlust zusammenhängen. Dass diese so zahlreich und lebensbeherrschend waren, können wir an diesem T-Quadrat in Achsenbindung sehen!

Jupiter im 3. Haus ist ein Hinweis auf seine rasche Auffassungsgabe, sowie dass er leicht lernt und bildungshungrig ist.

Und Merkur im 11. Haus, der beide Achsen im weiten Sextil bestrahlt, lässt seine beruflichen Präferenzen erkennen, er studierte Germanistik und fiel vor allem auf, wegen seiner enormen Belesenheit. So war es ihm ein Leichtes während seiner Studienzeit gleichzeitig in der Bibliothek des Germanischen Institutes zu arbeiten.

An den Sekundärdirektionen kann man die einzelnen dramatischen Lebensstationen nachvollziehen.

Wie ich schon erwähnt habe, musste die Geburt von Walter wegen Bombenalarm immer wieder unterbrochen werden. Sie beschreibt Ihre 48 Stunden dauernde Geburt mit den Worten "raus aus dem Kreißsaal, rein in den Bunkerkeller, und umgekehrt."

Ich habe aus diesem Grund, wie ich vorhin schon erwähnt habe, die Geburtszeit, die mit 11 Uhr angegeben wurde auf 10:45 korrigiert. Dann befindet sich Uranus im Grad des MC und bestrahlt diesen im Quadrat.

Kaum ein halbes Jahr alt, erlitt der kleine Walter schwerste Verletzungen seiner Lunge durch einen weiteren Bombenangriff auf Saarbrücken. Von da an ist er bis heute schwer krank. Dieses Ereignis entspricht Mars gradgenau am AC, der sich innerhalb des ersten Lebensjahres auslöst.

Dazu kommt, dass im Regressiv die Sonne, das Symbol der Vitalität, das Halbquadrat zu Uranus bildet, und der IC bogenminutengenau in das Quadrat zu Uranus hineingelaufen ist, seine Mutter musste ihn kurz danach wegen eigener Erkrankung weggeben, was eine Unterbrechung der Mutter-Kind-Beziehung bedeutet und der damit verbundene Schock sitzt Walter ein Leben lang in den Knochen.

Nach mehreren qualvollen Jahren im Krankenhaus verlebte Walter eine relativ ruhige und angenehme Zeit bei Pflegeeltern, die regressive Sonne ist ins Trigon zu Jupiter gekommen.

1950 - Walter war 6 Jahre alt - nahm die leibliche Mutter, inzwischen von ihrer TBC geheilt, Walter wieder zu sich. Der regressive AC erhält ein Quadrat von Neptun aus dem 4. Haus, die erneute seelische Entwurzelung führt vermutlich zu einer weiteren schweren Depression und Identitätskrise. Eine Lungenentzündung, die ein halbes Jahr Krankenlager mit sich brachte, passte zur Situation. Gleichzeitig mit Neptun verletzt aber auch die Venus, die im Radix in Opposition zu Neptun steht und mit Mars ein Quadrat bildet, den AC. Die sexuelle Irritation, die durch dieses harte T-Quadrat angezeigt erscheint, wurde zum ersten Mal durch eine "eindeutig-transsexuelle Schminkaktion des kleinen Walter" sichtbar.

Zwischen seinem 7. und 10. Lebensjahr (1951 - 54) bildet der regressive Mars auf 2°21 Krebs ein exaktes Quadrat zu Venus und Neptun. Im Lebenslauf heißt es: "Rückzug in Spielwelten im Kopf. Immer wieder heimliche Verkleidungsaktionen. Schon da entwickelte ich eindeutige masochistischen Phantasien."

Ab seinem 14. Lebensjahr (1958) war Walter aufgrund seiner Lungenprobleme an das Bett gebunden. Seine Mutter betreute ihn aufopfernd, trug jedoch nichts Entscheidendes zur Genesung bei. Nach Ansicht von Walter wollte sie ihn weder in die Gesundheit noch in die Männlichkeit entlassen. Sie hielt ihn auch von allem ab, was das Leben eines normalen Jungen ausgemacht hätte.

Aus "Frau Werden, Von Walter zu Waltraud", S 84:
"Draußen spielen? Um Gottes Willen! Der Bub könnte ja hinfallen und sich verletzen oder sich mal wieder erkälten! Fahrradfahren? Nie im Leben! Diese Verletzungsgefahren! Fussballspielen? Ein so rohes Spiel!"

Um diesem belasteten Dasein ein Ende zu setzen, unternahm er 1960 einen Suicid-Versuch, indem er bewusst eine Lungenentzündung herbeigeführt hat.

Der Mars verletzt den regressiven MC im Eineinhalbquadrat, der schon in der Radix die Achsen disharmonisch bestrahlt. Es folgen mehrere Operationen an der Lunge und lebensbedrohliche Situationen, wobei Walter im Sommer 1963 nur durch einen Luftröhrenschnitt vor dem Erstickungstod gerettet werden konnte. Der regressive AC ist auf den Saturn im 12. Haus gekommen und wird somit von Pluto im Halbquadrat verletzt.

Walter erholte sich durch die Operationen recht gut. In den 4 Jahren der erzwungenen Bettlägerigkeit entwickelte er eine enorme Lerntätigkeit auf seiner "Matratzengruft", wie er es nannte, sodass er in der Folge trotz seiner langen Abwesenheit von der Schule die Matura schaffte. Er bestand die Prüfung als der regressive IC den Jupiter im 3. Haus erreichte, eine "extrem glückliche Zeit".

1967 hatte er rasche Studienerfolge und die Annahme als Doktorrand als der regressive AC ein Sextil zu Jupiter bildet und 1968 begann er zu arbeiten, was uns Jupiter als Herr des 6. Hauses zeigt.

Aus "Frau Werden, Von Walter zu Waltraud", S 107:
"Sicher habe ich nach Kräften im Institut lieb Kind gemacht und mich bemüht, jedermanns Freund zu sein. Nur einen in der Bibliothek habe ich nach Leibeskräften gehasst: mich. Denn nichts an meinem gelebten Leben war echt. Ich lebte nur im Kopf. Nur im Studium, in der Literatur und vor allem auch in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung fühlte ich mich zu Hause. Aber wie ich lebte, war ich nicht, und was ich war, wusste ich nicht, und was ich ahnte, fürchtete ich, und was ich sein wollte, konnte ich nicht leben. .... Diese Spannung erforderte jeden Samstag ihr Ritual. Wenn meine Mutter zu ihrer langen Mittagsruhe ins Obergeschoss ging, fesselte ich mich selbst, betrachtete so - an Händen und Füßen gebunden - Fotos, auf denen dominierende Frauen zu sehen waren. Gewollt hätte ich durch aus noch mehr. Aber so eng, wie ich mit meiner Mutter zusammenlebte, war an ein Ausleben meiner Obsessionen nicht zu denken."

Während Merkur regressiv in die Opposition zu Neptun kommt, wurde die Mutter (Herr von 4) zum Pflegefall. Außerdem begann Walters heimliches Nachtleben. Mond regressiv geht über den absteigenden Mondknoten und steht in Opposition zu Pluto, dem Herrn der Unterwelt. Zufällig entdeckte er einen Sexshop - und plötzlich war ihm klar - dort konnte er mit den entsprechenden Dessous, Korsagen und Netzstrümpfen Frau-ähnlich. Es war nur eine Frage der Zeit, dass er einer Domina begegnete, die genauso wie er, Männer hasste. So wird es verständlich, dass er sich mit ihr von Anfang freundschaftlich verbunden fühlte. Als sie dann ein wenig zu kränkeln begann, bat sie ihn in ihr Geschäft einzusteigen, was er auch tatsächlich tat.

Nun untersuchen wir zur Abwechslung das Progressiv von 1971: Die Sonne läuft in das Eineinhalbquadrat zu Neptun, was den Konsum von Aufputschmittel und Alkohol symbolisiert. Eine Zeit land hatte sich Walter im Bordell ausgesprochen wohl gefühlt, aber schon bald kam, was eigentlich kommen musste - der Ekel. Im Laufe der Zeit benötigte er immer mehr Drogen und Alkohol, um überhaupt diese Arbeit verkraften zu können.

Trotz dieser widrigen Umstände gelang es ihm sowohl, eine normale erotische Beziehung und eine akademische Karriere aufzubauen. Im Progressiv ist folgendes zu sehen: 1972 läuft der progressive MC in das Trigon zu Pluto und die Venus, der Planet der Liebe und Herrscher von 5, progressiv bildet ein Sextil zu MC und AC, was sich durch die Liebe zu Ursula Schabert ausdrückt, die er ein Jahr später hieratete. Der progressive Merkur bildet ein Sexitl zu MC und AC und dokumentiert seinen Studienabschluss der Germanistik. In der Folge übte er seinen Beruf mehrere Jahre erfolgreich und erfüllt aus.

Dennoch blieb die Affinität zu Tendenzen des Rotlicht-Milieus bestehen und mit der Zeit kam er, was man so landläufig auf die Schiefe Bahn nennt, was letztlich zu einer immer stärkeren Distanz zur Ehefrau führte. 1983 läuft der dirigierte AC auf Uranus zu. Er versuchte seine Schwierigkeiten zunehmend mit der Flucht in den Alkohol und mit dem Ausweichen seiner Sexualprobleme in erotische Ersatzhandlungen zu kompensieren.

Als der progressive MC das Halbquadrat zu Uranus bildet, fand ab dem Jahre 1986 ein "rascher moralsicher und körperlicher Verfall" statt, der letztendlich zur Scheidung führte. Unmittelbare Auslöser waren finanzielle Betrügereien seiner Frau gegenüber. Er hatte über seine Alkoholsucht alle Hemmungen verloren. Selbst ihre Unterschrift hat er gefälscht, um an Geld zu kommen. Die endgültige Trennung von seiner Frau am 27.7.197 ist aber durch Mars angezeigt, der immer Entscheidungen fordert, und der schon in Achsenbindung stehend, jetzt den regressiven AC im Halbquadrat verletzt. Die gleiche Direktion zeigt auch den im März 1988 stattgefundenen Selbstmordversuch an, der in der Folge zu einer Therapie führte. Ab dann entschloss er sich, endlich seine Transsexualität wahrzunehmen, vor ihr zu kapitulieren und sein Leben entsprechend zu ändern.

Ab dem 6. Mai 1988 begann die "eigentliche Selbstwahrnehmung durch Selbstentzug, Klinikaufenthalt und Beginn des Lebens als Frau". Im Regressiv ist die Sonne , der Planet des Selbstbewusstseins und des sich Lebens in das Trigon zum AC auf 7Grad 37 Krebs gekommen und will in aller Öffentlichkeit gelebt werden.

Als die progressive Sonne den Radix-Uranus bogenminutengenau erreicht, wird das männliche Symbol der Sonne auf uranische Weise, wie oben bereits erwähnt, verschlungen, und Dr. Schiffels bezeichnet diese Zeit als "das Ende des Männerlebens". Das Sextil der progressiven Sonne zu Pluto, zeigt die Transformation an.

Im Buch von Dr.Walter Schiffels "Frau werden, Von Walter zu Waltraud, Authentischer Bericht einer Transsexuellen" (edition ebersbach im eFeF-Verlag) S 199 kann man lesen:
"Für das Gericht liegt nun kein Rechtshindernis mehr vor. Und so ergeht dann am 29. August 1989 beim Amtsgericht Saarbrücken der Beschluss, ich heiße von jenem Tag an ganz und gar offiziell und amtlich Waltraud. Walter war Tod. ..... Nun heiße ich Waltraud. Ich heiße Waltraud, ich heiße wirklich Waltraud ...Aber noch sehe ich keine Möglichkeit, das loszuswerden, was mich vom Geschlecht meienr Sehnsucht unterscheidet. Das Ding ist noch da. ... Der Professor hat ja gesagt, es gehe nicht. Er weiß ja sohl, wovon er redet. Ich werde mich abfinden müssen. Ich fühle mich als Frau, ich trage einen weiblichen Vornahmen, ich leben als Frau, ich sehe inzwischen einer Frau ziemlich ähnlich. Nur werden kann ich keine. Und dabei soll es bleiben ....?"

Waltraud gab aber nicht auf, sie besuchte einen anderen Arzt. Sie schreibt im Buch "Frau werden, Von Walter zu Walraud, Authentischer Bericht einer Transsexuellen" (edition ebersbach im eFeF-Verlag) auf Seite 201:
"Ein bisschen Herzklopfen habe ich doch, als ich mich zur Praxis dieses Arztes aufmache. Denn meinen Organen nach bin ich noch ein Mann, wenn auch chemisch schon entmannt. Und als ein solches Wesen soll ich nun im Wartezimmer eines Gynäkologen unter den Schwangeren sitzen und unter den anderen Frauen, die alle wegen spezifisch weiblicher Probleme dort sind? Werden die denn nichts merken? Werden sie sich nicht vehöhnt vorkommen, wenn ihnen etwas an mir auffällt?"

Der Arzt erwies sich als wirklich kompetent in Sachen Transsexualität. Sie schien ihm die normalste Sache von der Welt zu sein. Als Waltraud von ihm erfuhr, dass es machbar ist, war sie überglücklich.

Am 21. August 1989 ist der "Männeraufhörtag", die entsprechende Operation wurde problemlos überstanden. Der progressive MC bildet ein Halbquadrat zu Uranus und die progressive Sonne in Konjunktin mit dem Radixuranus bildet dadurch ebenso ein Quadrat zum MC, als von der Männlichkeit endgültig Abschied genommen wurde.
Die "große Operation" der Geschlechtsanpassung fand dann am 29.9.1989 statt. Im Buch "Frau werden, Von Walter zu Walraud, Authentischer Bericht einer Transsexuellen" (edition ebersbach im eFeF-Verlag) steht auf Seite 209 geschrieben:
"Die Stunden nach dem Abflachen der Narkose oben in meinem Bett auf der Station sind ziemlich schlimm. ... Ganz betont hat die Assistentin "Frau Schiffels" gesagt, und die Anästhesistin hat hinzugefügt: "Es ist vorbei, Frau Schiffels. Es ist gut geworden." .....Ich muss mich nicht mehr anstrengen, Frau zu werden. Ich bin jetzt Frau. Ich bin angekommen. Ich bin dankbar, so müde zu sein. Nach dem Aufwachen werde ich endlich ich sein."

Als die regressive Sonne den MC erreicht, wurde Fr. Dr. Waltraud Schiffels in der Öffentlichkeit durch einen Film und zwei Bücher bekannt.

Man sieht in allen Sekundär-Direktionen, dass sie den Ereignissen entsprechend auslösen, und dass die korrigierte Geburtszeit von 10:45 die wahrscheinlich richtige ist.

Aus dem Horoksop und dem äußerst ungewöhnlichen Lebensverlauf von Frau Dr. Waltraud Schiffels kann man durchaus allgemeine Schlüsse für astrologische Konstellationen im Horoskop von Transsexuellen ziehen. Entsprechend der Symbolik von Uranus und Neptun wird die Geburt der wahren Identität der Person Dr. Waltraud Schiffels sehr gut nachvollziehbar.

©  Mag. Maria Luise Mathis

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